Frankfurter Neue Presse. Montag, 16.02.2015

 

Narren stechen fröhlich in See

In Wehrheim waren gruselige Schweizer Guggemusiker am Werk. Foto: Gerrit Mai

Von Gerrit Mai

Die Narren strahlten mit der Sonne um die Wette. Der närrische Lindwurm schlängelte sich am Samstag – umrahmt von geschätzten zwei- bis dreitausend Jecken – durch die Gassen. Danach gab’s närrische Party ohne Ende im Bürgerhaus.

Wehrheim. „Der Haifisch, der hat Zähne“, heißt es in der Moritat von Mackie Messer. Beim närrischen Umzug im Apfeldorf gab es viele Haifische mit furchterregendem Gebiss, aber sie wollten nur eins – närrisch feiern. Nach dem Motto der Limes-Krätscher „Wehrheim sticht in See“ machte sich der Lindwurm mit seinen Dampfern der guten Laune pünktlich um 15 Uhr auf ins Haifischbecken, ins wabernde blaue Meer, in dem sich der Himmel zu spiegeln schien. Es gab dabei so manche Meeresenge zu durchkreuzen, und einige Wagen strichen vor dem Stadttor die Segel. Die Wehrheimer lassen eben auch heute noch nicht jeden rein.

Kapitän Manfred (Möppi) Seng führte auf der Kreuzung vor der neuen Mitte das Kommando und begrüßte die Narren. Den CDU-Bundestagsabgeordneten Markus Koob etwa seemännisch-deftig: „Scheiß auf Berlin, Wehrheim is geiler.“

Bonbons flogen aus luftiger Höhe, Narren verteilten Popcorn, Osterglocken und Hochprozentiges, und unzählbare große und kleine Narren am Straßenrand – es mögen wohl zwei- oder dreitausend gewesen sein – sammelten Kamelle, sangen „Atemlos“ und feierten als Seemann, Pirat, Frosch oder wilder Tiger kräftig mit. Die Kreisspitze – Landrat, Beigeordnete und Abgeordnete – betrachtete das närrische Treiben in den Gassen als „Circus Hochtaunus“ von der hohen Warte eines Prunkwagens.

Apfelblütenkönigin Sophia I. hatte eine noch bessere Aussicht: In ihrer Kabine am Frontlader des Elferratswagens entschwand sie in den blauen Himmel oder reichte, sanft nach unten schwebend, dem gewöhnlichen Volk die Hand. Mehr als 40 Wagen, Fuß- und Musikgruppen hatte Zugmarschall Roland Schmidt zusammengestellt und alle wurden begeistert gefeiert, am meisten die Gardemädels der Limes-Krätscher und befreundeter Narrenclubs.

Aus dem fernen Basel war die „Guggemuusig“ mit schaurigen Köpfen gekommen, aber auch viele Wehrheimer waren dabei, von den Alte-Damen-Handballerinnen, kurz Adas, im wabernden blauen Mülltütenmeer, Simones Haifischbecken, die Turnfrauen, die als bunte Clowns kamen, das Showballett bis zur Faschingsdienstagsgruppe aus Obernhain, die Werbung für ihren Lumpenball am Dienstag in der Saalburghalle machte. Es trieben aber auch ganz schön viele Piraten, die das Wehrheimer Narrenschiff geentert hatten, ihr Unwesen: Der Waldkindergarten und der Hirtenhof kamen als Fußgruppen, die Äpple-Boys und die Fußballabteilung der TSG hatten sich hohe Positionen auf den Wagen gesichert.

Garden, Fußgruppen, Wagen und Hoheiten aus Bad Homburg, Dietenhausen, Kransberg und Merzhausen sowie die Carnevalfreunde Usinger Land brachten beste Stimmung mit. Die Ausrangierten fischten als kunterbunte Angler nicht im Trüben, Kapitän Rudi Offenbach hielt das Steuer fest in der Hand. Hungern mussten die Narren beim Umzug nicht, denn Nachbarn im Musikantenweg werfen schon traditionell den Grill an, feiern kräftig mit und versorgen die Teilnehmer mit Weck, Worscht und Schnaps.

Als der närrische Lindwurm nach fast zwei Stunden die Mitte wieder erreicht hatte, gab’s für Bürgermeister Gregor Sommer (CDU) kein Pardon. Gerade noch hatte er vom Rathaus-Balkon aus den Narren auf der Straße gehuldigt, da packten ihn feste Elferrats-Frauenhände. Mit letzter Kraft die Gemeindekasse verteidigend, musste er letztlich der geballten Weiblichkeit nachgeben und ins Bürgerhaus folgen. Hier proklamierte Narrenchef Horst (Hoppe) Hopfengärtner die närrische Machtübernahme, und von da an gab’s für kleine und große Narren im Saal kein Halten mehr.

Der Umzug verlief übrigens aus Sicht der Polizei völlig problemlos. Allerdings sei es bei der anschließenden After-Zug-Party im Bürgerhaus „vereinzelt zu einfachen Beleidigungs- und Körperverletzungsdelikten“ gekommen.

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